Form folgt nicht der Funktion.
Die Form folgt der Vision.
Die Vision folgt der Wirklichkeit.
Friedrich Kiesler

 

Die Planungen für Neu- und Ergänzungsbauten orientieren sich gänzlich an den ökologischen und sozialen Herausforderungen unserer Zeit.

Die Neubauten werden, auch als Kontrast zur denkmalgeschützten Kalter-Kriegs-Ästhetik, in Holzbauweise ausgeführt und CO2-neutral mit Energie und Wärme versorgt. Das Energiekonzept basiert hier auf Erdwärme und Photovoltaik - etwas Besseres fällt uns mit Blick auf's Klima im Moment einfach nicht ein.

Das Interesse an Wiederverwertung und Wiederverwertbarkeit, an wieder trennbaren Materialien und vor allem an der Steigerung der verwertbaren Anteile von Baumholz treibt vor Ort vor allem das im Holzatelier entwickelte Design voran. Im kleinen Sägewerk werden Baumstämme, die im Rahmen von Waldumwandlung und Verkehrssicherung anfallen, individuell aufgeschnitten; der größte Teil wird in Möbel, Inneneinrichtungen oder Gartengestaltung vor Ort und anderswo eingesetzt.

Hier wie bei der Architektur geht es darum, modernes Design mit natürlich gewachsenem Material und ökologischem Ehrgeiz zu verwirklichen, ohne rustikal rückwärts gewandt zu sein.

Das Thema ist bis ins Unendliche skalierbar und wird die weitere Geländeentwicklung, die Arbeit der ansässigen sowie künftigen Gewerke und Betriebe, maßgeblich bestimmen.

 

 Bauen mit und am Wald 

 
Hohe Ansprüche an nachhaltiges, für Um- und Nachwelt möglichst folgenloses Bauen, bedeuten für uns, individuelle, auf und mit dem Standort entwickelte Konzepte konsequent umzusetzen.

Die von uns als Baugebiete identifizierten Flächen sind rundum von Wald umgeben.
Eine Waldfläche von ca. 25 ha ist Bestandteil und Identität stiftender, größter Anteil am Gesamtgelände. Somit ist die Wahl von Holz als nachhaltigem Baustoff für die Neubauten eine fast schon zwingende Wahl. Betrachtet man die Waldfläche mit ihrem Gehölzbestand genauer, dann zeigt sie sich als Nadel- Laubmischwald mit einem hohen Anteil an (erntereifen) Kiefern. Wie fast alle Nadelbäume in Mitteleuropa sind auch diese standortbedingt immer größer werdenden Trockenheitsrisiken ausgesetzt. Käferbefall und absterbende Wurzeln führten in der Folge bereits zum Windwurf zahlreicher Kiefern in den letzten Jahren. Der hier angeratene Waldumbau erfordert eine Entnahme des Kiefernholzes, um Platz, Licht und Boden für die Renaturierung des für Eichen, Buchen, Linden und Ahorn typischen Waldstandortes zu schaffen. 
 
Unser Ziel ist, nach erfolgtem Waldumbau, die Waldflächen sich selbst zu überlassen und die Nutzung auf die Erholung einzuschränken. Holzentnahmen soll es dann lediglich noch aus Gründen der Verkehrssicherung geben. 
Bis zum Erreichen dieses naturnahen Zustandes betrachten wir es aber als zwingenden Glücksfall, aus dem zu entnehmenden Kiefernholz langlebige Bauten vor Ort zu errichten.
Kiefernholz eignet sich als Nadelholz sehr gut für die konstruktive Verwendung. Mit seinem sog. farbigen Kern ist es, bei entsprechend sorgfältiger Sortierung, sogar ohne Holzschutzmittel zulässig einsetzbar. 
 
Ein wesentlicher Teil des Entwicklungskonzepts des Geländes, ist der Aufbau eines Holzverarbeitungsbetriebes, der sich mit der intensiven Verwertung des auf der Waldfläche anfallenden Holzes beschäftigt. So wird bereits seit mehreren Jahren mittels eines kleinen Sägewerkes das auf der Waldfläche anfallende Nutzholz zu Brettern und Balken verarbeitet, woraus einerseits Möbelstücke in einer vor Ort eingerichteten Holzwerkstatt entstehen, andererseits aber auch Zimmerei- und Bautischlereigewerke, wie bspw. die Raumbühne im Theater vor Ort, Türen, Fenster und Vordächer für die Bestandsgebäude, Spielgeräte, Hochbeete usw. 
 
Die Waldwirtschafterei GmbH, eigens für die geländespezifischen gewerblichen Aktivitäten gegründet, wird nun auf Grundlage der gesammelten Erfahrungen in der Massivholzbearbeitung ihren Betrieb erweitern, mit dem Ziel, große Teile der Hochbauleistungen im Rahmen der Ausführung der Neubebauung mit dem durch den Waldumbau gewonnenen Holz zu realisieren. 
 
Dies geschieht vor allem mittels der Anschaffung eines größeren Sägewerkes, das in der Lage ist, den durchaus großen Holzbedarf zu stillen, hinzu kommt eine Trockenkammer, die, mit den nicht weiter verwertbaren Holzresten beheizt, bei konstruktiv anspruchsvollen Bauteilen die notwendige Restfeuchte sowie den vorgeschriebenen Holzschutz garantiert. Des Weiteren wird ein sog. Vierseithobel angeschafft, der effizient das sortierte Balken- und Brettermaterial in unterschiedlichste Profile für die jeweiligen Einsatzbereiche herrichtet. 
  
Die Stromverbräuche der Maschinen werden zu einem großen Teil aus der auf den Dächern der Bunkernebengebäude errichteten Photovoltaikanlage befriedigt. 
 
Die Waldwirtschafterei arbeitet mit einem gemischten Team, das von einer Zimmerermeister*in angeleitet wird und verschiedenste Erfahrungshorizonte versammelt. Auch Geflüchtete werden in die Arbeitsabläufe integriert. 
 
Das Vorbereiten des Materials für den ersten Neubau beginnt mit den Holzeinschlägen ab September 2021. Die Rohbauleistungen werden gemeinsam mit einem Zimmereibetrieb ab Frühjahr 2022 durchgeführt, der Ausbau des „Skelettes“ geschieht im Anschluss maßgeblich durch das Team der Waldwirtschafterei GmbH. 
 
Es ergeben sich aus unserer Sicht gleich mehrere Vorzüge: 
 
1. Der an sich schon nachhaltige Baustoff Holz verbessert hier seine Ökobilanz um den Wegfall der Transportwege. Das Holz wird dem Wald entnommen, der darin gebundene Kohlenstoff wird direkt nebenan in den Bauten für lange Zeit gespeichert. 
Schon während der Bauzeit entlastet zudem eigener Sonnenstrom die CO2-Bilanz. 
 
2. Der Widerspruch zwischen sinkenden Stammholzpreisen im Ankauf und steigenden Preisen an den Märkten für verarbeitetes Holz wird irrelevant; die vor allem auch im „trendigen“ Holzbau festzustellende Baukostenspirale wird durch das Bauvorhaben nicht weiter befeuert. Im Gegenteil kann hier mit hohen Anteilen an hochwertigem Massivholz dennoch kostengünstig gebaut werden. 
 
3. Bauelemente aus Massivholz reduzieren aufgrund ihrer bauphysikalischen Eigenschaften den Einsatz von Plastikfolien sowie von chemischen Schutzbehandlungen. 
 
4. Es entsteht faire Arbeit, die gleichzeitig sehr erfüllend sein dürfte, da hier die einzelnen Schritte vom Stammholz zum bspw. Fußboden mitgestaltet und erlebt werden. 
 
5. Gestalterisch entsteht etwas einzigartig auf den Ort Abgestimmtes: Das hier gewachsene Holz dominiert den Gesamtcharakter, und die Möglichkeiten der vorhandenen Maschinen sowie des Massivholzes begrenzt die Auswahl an Materialien auf handwerkliche, von der Materialität dominierte Baustoffe, die im Gegensatz zu bspw. gefrästem Plattenmaterial im Holzbau, die Zimmerei als Handwerk betonen und nicht die industrielle Vorfertigung. 
 
6. Die kurzen Wege der Herstellung erlauben einen hohen Grad an Korrektur auf der Baustelle. Dies leugnet keineswegs die Notwendigkeit einer detaillierten Vorplanung, sondern zielt vor allem ab auf die ökologisch beste Lösung in Details, vor allem auch, was die Folgenlosigkeit in Bezug auf den Rückbau, die Trennbarkeit der eingesetzten Materialien und die Verwendung von unbedenklichen Baustoffen anbelangt. 
 
Die Errichtung des Atelierwohngebäudes ist in dem Vorhaben als weiteres Pilotprojekt zu verstehen, um die beschriebene Arbeitsweise zu optimieren und im Anschluss realistisch die Möglichkeit zu haben, die umfangreicheren Vorhaben im Wohngebiet zu realisieren. Nachdem ca. 6.500 Quadratmeter Neubau in dieser Weise entstanden sind, wird sich die Holzverarbeitung auf dem Gelände wieder auf die Möbelherstellung aus eigenem Holz konzentrieren.
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